Dithmarsen-Kaserne


Seit Anfang der 1960er-Jahre bis 2007 hatten diverse Bataillone ihren Standort in der Dithmarsen-Kaserne in Albersdorf. Viele Berufs- und Zeitsoldaten wurden ganz oder zeitweilig in dem schönen Luftkurort ansässig. Zum Grundwehrdienst wurden in diesen Jahren viele junge Dithmarscher und Nordrhein-Westfalener Männer rekrutiert.

Dithmarschen eignete sich „aus mehreren Gründen besonders gut“ für die Aufstellung von Garnisonen. Das glaubte Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß (CSU) jedenfalls.

Und er erwähnte dies, als die schnell aufzustellende Bundeswehr fieberhaft nach geeigneten Standorten suchte, gegenüber dem CDU-Bundestagsabgeordneten Hermann Glüsing aus Wrohm (1908-1981).

Übersicht:

Ehemalige Adresse:

Schrumer Weg 2
2243 Albersdorf
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Abgabe:
date_range   31.12.2007

Status:
nahezu vollständig erhalten, Gewerbepark

Fotos:
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„Hermann Bonn“, damals auch bereits Kreispräsident von Süderdithmarschen, tat alles, um „FJS“ in diesem Glauben zu bestätigen. Gemeinsam mit den Dithmarscher Landräten Hannemann und Schücking und den Bürgermeistern führte er bereits am 10. August 1956 in Heide ein Gespräch mit Landesregierung und Wehrbereichskommando. Dabei wurden für Albersdorf und Meldorf je ein und für Heide sogar zwei Bataillone vorgesehen. Für Dithmarschen sprach insbesondere, dass der Wehrverwaltung das Restgut Riese bei Albersdorf zum Kauf angeboten worden war. So war die Schaffung eines gemeinsamen Standortübungsplatzes ohne weiteres möglich.

1960 bis 1963 wurde am Schrumer Weg 2 in Albersdorf auf einem 22 Hektar großen Gelände die erste neue Kaserne in Dithmarschen nach Kriegsende gebaut. Der Bundeswehrwohnungsbau brachte 120 neue Wohneinheiten und über 40 Eigenheime für Soldaten zu Stande. Die Albersdorfer bereiteten dem Feldartilleriebataillon 61 einen herzlichen Empfang mit Fahnenschmuck. Die Soldaten aus Schleswig waren nicht ganz unbekannt in Dithmarschen, denn sie hatten im Vorjahr bei der verheerenden Februarsturmflut an Dithmarschens Deichen mit Schaufeln und Sandsäcken vollen Einsatz gezeigt.

1964 erhielt der Gebäudekomplex den Namen „Dithmarsen-Kaserne“. Von 1968 bis 1970 kommandierte Wolfgang Altenburg das Bataillon, der später Generalinspekteur und damit ranghöchster Soldat der Bundeswehr wurde.

Zu den Artilleristen (61er) gesellten sich vor-übergehend das Technische Bataillon Sonderwaffen 660, drei Ausbildungskompanien und die Mörserkompanie 380. Zeitweise waren fast 1500 Mann in der Kaserne stationiert.

Dann wurde 1971 das ABC-Abwehrbataillon 610 in Albersdorf aufgestellt. Es sollte Schutz und Abwehr vor dem Einsatz von atomaren, biologischen und chemischen Waffen durch einen möglichen Gegner vorbereiten, kann Feuer bekämpfen, Objektschutz leisten und zur Tarnung Nebel werfen. Auch dieses Bataillon erwies sich als schlagkräftiger Katastrophenhelfer, als im Januar 1976 erneut die Deiche bedroht waren. Es wurde im Raum Brunsbüttel eingesetzt, während die Feldartilleristen im überschwemmten Christianskoog Deichverstärkungsmaterial heranbrachten und Bruchstellen schlossen.

Über 30.000 Soldaten sind in Albersdorf ausgebildet worden, vorwiegend aus Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. 1981 leisteten 1055 Soldaten ihren Dienst in der Dithmarsen-Kaserne, davon 690 Wehrpflichtige. 20 Jahre später waren es noch rund 850 Soldaten und mehr als 30 Zivilbediensteten. Das ABC-Abwehrbataillon hatte seinerzeit 600 Soldaten und 20 Zivilbedienstete. 120 weitere Dienstposten entfielen auf Kraftfahrausbildungzentrum und Standortverwaltung.

In Albersdorf entwickelte sich eine besonders starke Identifikation der Soldaten mit ihrer Standortgemeinde und umgekehrt. Die Bundeswehr genießt volle Akzeptanz im Ort. Nicht zuletzt deshalb gingen mehrere Wellen des Truppenabbaus an der Gemeinde vor-über. Inzwischen nimmt das Verteidigungsministerium auf solche Faktoren und Gesichtspunkte der Wirtschaftsförderung keine Rücksicht mehr.

Schleswig-Holstein sollte nach dem Willen des Verteidigungsministeriums keine ABC-Abwehrtruppe mehr haben. Das ABC-Abwehrbataillon 610 wurde am 31. Dezember 2007 aufgelöst und der Standort Albersdorf im ersten Quartal 2008 geschlossen.

Kaum von der Bundeswehr am 31.12.2007 an die Bundes-Immobilien-Abteilung (BIMA) zur weiteren Konversion abgegeben, wurde die Übergabe das Geländes am 26.04.2008 an die neuen Eigentümer durchgeführt.

von: Holger Piening